Angefangen hat alles ... / 08.2020

Karate 2

Angefangen hat alles 1968, als der gebürtige Berliner bei seinem Cousin ein Buch von Albrecht Pflüger über die Grundlagen des Karate fand. Er wusste es da natürlich nicht, aber später sollte er sogar einmal mit diesem zusammen trainieren. "Damit war meine Begeisterung geweckt!" Sein Idol war damals schon der Kampfkünstler Bruce Lee. Die Euphorie wurde allerdings getrübt, als die Familie Reichardt in den Bayerischen Wald zog, denn in seinem neuen Wohnort wurde diese Sportart nicht angeboten. "Alternativ dazu entschied ich mich für Judo und Boxen", sagt Detlef Reichardt.

Doch auch dafür war wenig Zeit als er nach dem Schulabschluss die Lehre zum Koch begann. "Mit einem 16-Stunden-Tag war das Training einfach nicht mehr möglich", bedauert der Rentner. Doch die Arbeit als Koch führte ihn 1977 nach Burghausen, wo er mit dem Karatetraining beim TV 1868 begann. "Das war der 13. Juni, ich weiß es noch ganz genau. Damals trainierten wir noch in der Altstadt", erzählt Reichardt. Für ihn begann damit seine Karate-Karriere.

Mit dem TV feierte er auch seine ersten Erfolge beim DVWS (Deutscher Verband für waffenlose Selbstverteidigung): 1982 wurde der damals 26-Jährige Süddeutscher Meister im Vollkontakt und qualifizierte sich damit für die Deutsche Meisterschaft im Shotokan Karate. Dort erzielte er den fünften Platz im Semikontakt. "Ich wäre damit auch zur Europameisterschaft zugelassen gewesen, aber da legte meine Frau ihr Veto ein: keinen Vollkontakt mehr." Was klingt wie Kontaktverbot bei Corona, heißt eigentlich, dass die Teilnehmer auch schon mal bis zum K.O. kämpfen, erklärt Reichardt.

Seine Frau Rita ist aber keine Karate-Gegnerin, sondern ebenfalls begeistert davon, hat sogar den dritten brauen Gürtel. Insgesamt gibt es neun Gürtel, vom weißen zum braunen. "Dann kommt schon der erste Dan, da bekommt man den schwarzen Gürtel", erklärt Detlef Reichadt. Er selbst hat heuer den 3. Dan im SOK (Stilrichtungs offenes Karate) gemacht und den 5. Dan im Shotokan Karate – im ganzen Landkreis ist damit kein Karate-Sportler höher eingestuft als er.
"Als ich den 1. Dan gemacht habe, hat mich der Prüfer etwas reingelegt", erinnert sich der Karatekämpfer. Er dachte er sei durchgefallen, am Ende bekam er aber doch noch die Urkunde. Dabei habe er die härtesten Prüfer gehabt, laut seiner Mitkämpfer.
 

Aber Detlef Reichardt förderte nicht nur sich selbst, er machte zusätzlich die Prüfer- und Selbstverteidigungslehrerlizenz und gibt sein Wissen und Können weiter. Und das ebenfalls schon jahrelang. "Damals in Burghausen beim TV war ich schon Kindertrainer", erzählt Reichardt. Als sein eigener Trainer 1983 einen tragischen Tod stirbt, übernimmt er spontan die Karate-Abteilung.
1992 wechselte er als Karatetrainer nach Burgkirchen und zum DKV (Deutscher Karate Verband). Wenig später übernimmt er auch dort die Abteilungsleitung, aber weil es zwischen ihm und dem damaligen Vorstand nicht mehr gepasst habe, führte ihn sein Weg vor sieben Jahren zum SV DJK Emmerting. In der Gemeinde hat er 1984 mit seiner Familie eine Heimat gefunden.
 

Für ihn und seine Frau ist das asiatische Flair, das sich auf Haus und Garten ausbreitet, nicht wegzudenken. Überall verstecken sich chinesische Zeichen und Figuren, Karate-Urkunden, die Fotos großer Karatekämpfer schmücken den Keller. Außerdem gefällt Detlef Reichardt, wie in der Welt des Karate miteinander umgegangen wird: "Ich war bestimmt auf über 50 Lehrgängen und es fühlt sich jedes Mal an, als wären wir eine große Familie."
 

Zu den größten Ereignissen während seiner Karate-Karriere zählt er die WM 2000 in München, wo er als Zuschauer mit dabei war. "Das war einfach Gänsehaut pur", erinnert sich der Emmertinger. Gefolgt von der WM in Bremen, Linz und Spanien. Viele große Karatekämpfer, die sogar Weltmeister geworden seien, habe er auf den Veranstaltungen getroffen, sie alle in seiner "Bibel" (Buch des Karate Do) unterschreiben lassen und den Moment damit verewigt.
 

Er selbst ist aber auch nicht gerade unbekannt, dafür sorgt sein extravagantes Outfit, mit dem er die Wettkämpfe besucht. Mit Lederhose, einem Tuch mit Bayernwappen und Filzhut präsentiert er sich und wird mittlerweile schon von den Leuten erkannt. Auftritte im Internet auf YouTube hatte er mit seinem Bruchtest oder als er einen VW-Bus mit einem Rattanstab an der Kehle verschob. Und sogar das japanische Fernsehen interviewte den Karateka schon in seiner bayerischen Tracht.
In Emmerting trainiert Detlef Reichardt derzeit eine Senioren- und eine Kindergruppe. Außerdem gibt er Selbstverteidigungskurse für Frauen in seinem kleinen Karatestudio zu Hause. Dort übt er auch mit Enkel Leon Shotokan Karate. Seine Kinder und die anderen drei Enkel folgten ihrem Papa und Opa nicht zum Kampfsport. Ans Aufhören denkt der 64-Jährige aber noch nicht – im Gegenteil, topfit sei er.
 
Bericht und Fotos: Detlef Reichardt
 
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