Donnerstag, März 30, 2017

Shito Ryu

ShitoRyu
Entstehung der Stilrichtung Shito Ryu

Bis 1922 war Karate eine geheime Kunst auf Okinawa, die nur an Familienmitglieder und ausgewählte Schüler weitergegeben wurde. In Shuri, der damaligen Hauptstadt, lehrte Sokon Matsumura Shorin Ryu. Einer seiner Schüler war Yasutsune Itosu, der später Karate an den Grundschulen einführte und so die Geheimhaltung aufhob. Ein weiterer Meister aus Shuri war Gichin Funakoshi der bei Anko Azato lernte und Karate 1922 nach Japan brachte.

Kosaku Matsumora lehrte in Tomari, einer Hafenstadt nahe bei Shuri. Heute sind die Techniken und Kata aus Tomari in den Schulen des Shorin Ryu in Shuri enthalten. Eindeutige Tomari-Schulen sind hingegen nicht mehr bekannt. Kanryo Higashionna lehrte in Naha ein Karate, das sich von der in Tomari und Shuri geübten Kunst deutlich unterschied.

Ebenfalls in Naha beheimatet waren die Schulen von Aragaki und Nakaima (Ryuei Ryu) letzteres ist ein Familienstil der bis 1970 geheim gehalten wurde. Wie bekannt lernte Gichin Funakoshi Shuri-te bei Ankao Azato, lernte aber auch offensichtlich die Kata des Tomari-te, bevor er nach Tokyo ging und den Grundstein für das heutige Shotokan legte. Mit Shoto unterzeichnete Funakoshi seine Kalligraphien und Kan bedeutet soviel wie Haus. Chojun Miyagi lernte Naha-te bei Kanryo Higashionna, ging nach Osaka und gründete das Goju-Ryu. Goju bedeutet Hart und Weich, Ryu kann mit Richtung oder Stil übersetzt werden. Kenwa Mabuni lernte Shuri-te und Tomari-te bei Yasutsune Itosu und Naha-te bei Kanryo Higashionna, ebenso lernte er die Kata der Aragaki-Schule und von Go Kenki die Kata des weißen Kranichs wie Nipaipo, Haufa, Happoren und Hakutsuru. Kenwa Mabuni ging ebenfalls nach Osaka und gründete dort das Shito-Ryu. Shito bezieht sich auf die Spitznamen von Itosu (Shi) und Higashionna (To). Der Name des Stils ist somit eine Ehrung dieser beiden Meister. Es heißt das es eine Freundschaft zwischen Kenwa Mabuni und Chojun Miyagi gab, aber auch Gichin Funakoshi war des öfteren Gast bei Kenwa Mabuni in dessen Dojo.

Unter allen Meistern war Mabuni für sein immenses Wissen hinsichtlich der Kata bekannt. Es gab wohl niemanden der mit vergleichbarer Leidenschaft die verschiedensten Kata studiert und darüber hinaus noch 10 eigene Kata entwickelt hat. Damit nicht genug studierte Kenwa Mabuni noch Kobudo und war einer der Lehrer von Shinken Taira. Ein Meister dem es zu verdanken ist, dass viele alte Kobudo-Kata veröffentlicht, verbreitet und damit „gerettet“ wurden. Als Kenwa Mabuni 1956 starb begann die Aufteilung des Shito-Ryu. Nicht nur seine beiden Söhne Kenzo und Kenei Mabuni gründeten ihre eigene Schulen. Auch andere Meister des Shito-Ryu gingen eigene Wege und haben das ursprüngliche Shito-Ryu nach eigenem Ermessen verändert oder Elemente wie das Ryuei-Ryu hinzugefügt. Einige der bekanntesten Schulen des Shito-Ryu sind:

Mabuni-ha-Shito-Ryu (Kenei Mabuni)
Seito-Shito-Ryu (Kenzo Mabuni)
Tani-ha-Shito-Ryu (Chojiro Tani)
Itosu-Kai (Ryusho Sakagami)
Hayashi-ha-Shito-Ryu (Teruo Hayashi)
Hokushin Shito-Ryu (Minobu Miki)

Grundlage des Shito-Ryu ist das authentische okinawanische Karate der Schulen des Shuri-te, Tomari-te, Naha-te der Aragaki-Schule und der Schule des Weißen Kranichs von Go Kenki. Dies macht Shito-Ryu zum umfangreichsten und vielseitigsten Karate-Stil überhaupt. Shito-Ryu benutzt mit über 60 Kata mehr Kata als Shotokan, Goju-Ryu und Wado-Ryu zusammen. Ob es Sinn macht das ein Karate-Stil soviele Kata benutzt kann natürlich diskutiert werden. Andererseits muß niemand all diese Kata beherrschen. Im Gegenteil bietet Shito-Ryu damit dem trainierenden die Möglichkeit sich auf den Teil des Karate zu konzentrieren den er als für ihn geeignetsten erkannt hat.

Shito-Ryu Vereine in Deutschland gibt es in Berlin, Lübeck, Baden Würtemberg und Bayern wo jeweils verschiedene Schulen des Shito-Ryu ihren Sitz haben:

Berlin: Mabuni-ha-Shito-Ryu
Lübeck: Itosu-Kai
Baden Würtemberg: Hayashi-ha-Shito-Ryu
München: Hokushin-Shito-Ryu.

Angesichts der Vergangenheit wo ein reger Kontakt und Austausch zwischen den Schulen stattfand, speziell zwischen Mabuni, Miyagi und Funakoshi ist es sehr schade, dass dies heute nicht mehr so ist. Es liegt an den Schülern dies zu ändern, so wie man fremde Länder besucht kann man auch Stilrichtungsoffene Lehrgänge besuchen, ohne gleich deren „Staatsangehörigkeit“ anzunehmen.

Autor: Herbert Hass 

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